Vorbereitung auf die Meisterprüfung / Das neue Prüfungsberufsbild
Das 2002 neu entwickelte Leitbild des Handwerksmeisters spiegelt sich in den Prüfungsverfahren. Der angehende Meister muss zeigen, dass er einen simulierten Kundenauftrag von der Planungs- und Kalkulationsphase über die Anfertigung bis hin zur Endkontrolle und der Instandsetzung zu bearbeiten in der Lage ist. Letztlich soll deutlich werden, dass der Prüfling den veränderten Anforderungen des Marktes und der Kunden gerecht werden kann.
Herzstück der neuen Verordnungen ist die Handlungsorientierung, also die Ausrichtung der Prüfung an praktischen, betriebsnahen Situationen. Fachkompetenz und technisches Wissen waren seit je das Fundament der Meisterprüfung. Ergänzend wird nun die Kompetenz als Unternehmer in den Mittelpunkt gerückt.
Statt des bisherigen Berufsbildes gibt es nun ein sogenanntes Prüfungsberufsbild. Hierin spiegelt sich das neue Leitbild und Selbstverständnis des künftigen Meisters. So heißt es in § 2 unter der Überschrift "Meisterprüfungsberufsbild" der neuen Verordnungen: "Durch die Meisterprüfung im Elektrotechniker-Handwerk wird festgestellt, dass der Prüfling befähigt ist, einen Handwerksbetrieb selbstständig zu führen, Leitungsaufgaben in den Bereichen Technik, Betriebswirtschaft, Personalführung und -entwicklung wahrzunehmen, die Ausbildung durchzuführen und seine berufliche Handlungskompetenz selbstständig umzusetzen und an neue Bedarfslagen in diesen Bereichen anzupassen."
Der Meister wird weitaus besser als bisher auf seine Tätigkeit als Unternehmer vorbereitet. Der traditionelle Handwerksmeister wandelt sich, mehr und mehr zum Handwerksunternehmer.
Im Elektrotechniker-Handwerk gibt es nun drei Schwerpunkte:
- Energie- und Gebäudetechnik
- Kommunikations- und Sicherheitstechnik
- Systemelektronik
Diese Schwerpunktsetzung bedeutet aber nicht die Fortführung der alten Spartentrennung zwischen Elektroinstallateuren, Fernmeldern und Elektromechanikern. Das neue Prüfungsberufsbild gilt für alle Elektrotechniker, was heißt: Wer sich künftig auf einen der Schwerpunkte konzentriert, muss auch in den nicht gewählten Bereichen seine Kompetenz im Rahmen einer Situationsaufgabe nachweisen. Ziel der Situationsaufgabe ist es, den Qualifikationsnachweis in der Meisterprüfung zu vervollständigen; sie besteht aus mehreren Einzelaufgaben, die allesamt anderen Schwerpunkt-bereichen entnommen sein müssen als die Projektarbeit. Letztlich bedeutet dies, dass der Elektrotechnikermeister in der gesamten Breite und Tiefe seines Handwerks sowohl ausübungs- als auch ausbildungsberechtigt ist.
Kernaufgabe künftiger Meisterprüfungen ist die Projektarbeit mit dem dazu-gehörenden Fachgespräch (Teil I).
Die Projektarbeit soll einem Kundenauftrag des betrieblichen Alltags entsprechen und idealerweise einen konkreten Gegenwartsbezug zum Betrieb des Prüflings aufweisen.
Das Fachgespräch bezieht sich auf die Projektarbeit und stellt im Idealfall einen kollegialen Dialog dar, der aufzeigt, inwieweit der Prüfling die Problemstellung und den Lösungsweg der Projektarbeit verstanden hat.
Das ca. 30minütige Fachgespräch wird im Verhältnis zur Projektarbeit mit 1:3 gewertet. Die Gesamtbewertung von Projektarbeit und Fachgespräch wird zum Prüfungsergebnis der Situationsaufgabe im Verhältnis 2:1 gewichtet.
Auch Teil II der Meisterprüfung wurde völlig neu konzipiert. Hier wird die bisherige fächerorientierte Prüfungsweise durch eine verknüpfte Methodik der Fallbearbeitung ersetzt. Prüfungsfächer sind "Elektrotechnik", "Auftragsabwicklung" sowie "Betriebsführung und Betriebsorganisation". Neu ist hier, dass alle aufgelisteten Fächer im Rahmen konkreter betriebspraxisnaher Aufgabenstellungen abgeprüft werden. Kernfach bleibt im theoretischen Teil der Prüfung die Technik. Das neue Fach Auftragsabwicklung gewinnt insbesondere vor dem Hintergrund der wachsenden Bedeutung des Themas Kundenorientierung an Stellenwert. Die sichere Beherrschung des Fachs Betriebsführung und Betriebsorganisation soll dem künftigen Meister die Integration kaufmännischer und organisatorischer Betriebsabläufe erleichtern. |